Die bayerischen Doktoren reiben sich im Moment die Augen, die monatlichen Abschlagszahlungen für z.B. den BKK-Hausarztvertrag bleiben aus. Dafür flattern Briefe der HÄVG Rechenzentrum AG, gegründet von Ärztefunktionären des Deutschen-Hausarztverbandes und dessen Landesverbandschefs, auf den Schreibtisch, in dem kurz mitgeteilt wird: „ (..) den ursprünglich im Informationsbrief Patiententeilnahmestatus Q1/2012 mitgeteilten 3. Abschlag (fällig im April 2012) auf Ihren Vergütungsanspruch für das Quartal 1/2012 werden wir mit dem nachfolgend gesondert ausgewiesenen Rückforderungsbetrag verrechnen..(..)“ Es geht um Summen zwischen ein paar Hundert Euro bis hin zu fünfstelligen Beträgen die nun einbehalten werden! Es gibt bis heute keine Abrechnung aus dem Jahr 2011! Da diese Abschlagzahlungen die Sicherheit für den betriebswirtschaftlichen Praxisablauf sind, wird es bei manchen der Ärzte nun sehr eng ihre monatlichen Betriebsausgaben zu stemmen! Und so kann es kommen, dass der Verband der Hausärzte BHÄV durch seltsame Abrechnungsmethoden zum Vernichter von Hausarztpraxen wird!
Was ist passiert: Ganz einfach, der Hausärzteverband BHÄV hatte beim Pokerspiel der neuen und der modifizierten Hausarztverträge mehr die Erhaltung der HÄVG Rechenzentrums AG im Blick, als die Ärzte und Ärztinnen die er angibt zu vertreten! Und um die Umsätze der HÄVG AG zu sichern, (in der die einzelnen Landeschefs sitzen) bedarf es Ärzte und deren Patienten die sich einschreiben. Durch die zu hohen Abschlagzahlungen wurden die Praxen in Sicherheit gewogen. Dadurch wurde auch der Wille geweckt, die nach der Kündigungswelle 2010 nun neu ausgehandelten Verträge durch Unterschriften zu bedienen. Es geht um Geld und nur um Geld! Auf der Seite der Ärzte um höhere Honorare, bei der HÄVG um 3 % der Abrechnungen aus mehreren Millionen Euro aus den Hausarztverträgen. Im Verband um Macht und Einfluss!
Hätten die eingeschriebenen Arztpraxen wie normal ca. 3-4 Monate nach Quartalsende ihre Abrechnungen für z.B. das erste Quartal 2011 erhalten, dann hätten sie erfahren, dass die Abschlagzahlungen auf Honorare ( es wird von ca. 70 Euro pro Patient und Quartal gesprochen) nicht stimmen. Liegt hier der Hasenfuß weshalb bis heute die Abrechnungen der HÄVG von 2011 für die BKK und Ersatzkassen fehlen? Die Hinhaltetaktik hat System - bei Nachfragen, was die fehlenden Abrechnungen angeht, wurde zunächst auf "momentan technische Probleme" hingewiesen, dann auf Zeit gespielt. Zuerst hieß es die Abrechnungen „kommen im April" nun sollen sie im August kommen!!
Die Abrechnungen muss es geben - wie sonst kommt es zu den exakten Berechnungen der Rückzahlungen, die OHNE schriftliche Abrechnung einbehalten, oder bei gekündigten Verträgen eingefordert werden?? Der BHÄV-Vorstand wird mit der HÄVG AG die exakten Summen die "überbezahlt" wurden nicht orakeln! Nein, hier ist was OBERFAUL - dummerweise interessiert das die meisten Ärzte erst, wenn sie es auf dem Kontoauszug sehen! Seitdem dreht sich das Blatt und zeigt auf, weshalb es warnende Stimmen gegen die Vorgänge um die Hausarztverträge gab. Man könnte jetzt auch sagen, wer nicht hören will, muss fühlen. Doch das wäre einfach zu kurz gesprungen.
Was heißt es für Patienten? In den Praxen wurden die Hausarztverträge als rettende Maßnahme für den Erhalt der wohnortnahen Versorgung verkauft. Die notwendigen Argumente um das Verkaufsgespräch am Praxistresen mit Einschreiben des Patienten abzuschließen, wurden von der Funktionärsspitze des BHÄV geliefert.
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Mancher der Ärzte kam sich bei dem Drängen vonseiten seiner Funktionäre/Innen eher vor wie in einer Verkaufsorganisation, bei der auch nur die Unterschriften zählen, denn nur dann gibt es Geld!
Andere Ärzte entschieden, sich für das drei Affen Syndrom und verdrängten die von den Kassen erwartete Leistung in den Verträgen und schreiben sich ein! Manche machten sich auf, sogar über Anzeigen in Zeitungen die Patienten zum schnellen Einschreiben bis 30.4.2012 zu bewerben! Das große Versprechen lautete linientreu nach BHÄV-Angaben: Durch die Hausarztverträge kann die flächendeckende hausärztliche Versorgung sichergestellt werden! Kritik zu den Inhalten der Verträge, Warnungen vor den Zielen der Ärztefunktionäre, über die gravierenden Mankos und die damit verbundene Bürokratie wurden teilweise mit harschen Methoden attackiert, bis hin zu Verleumdungen. Die Abteilung Öffentlichkeit des BHÄV lancierte Argumente, dass die vom BHÄV ausgehandelten Hausarztverträge die Retter der Praxen sind! Inzwischen werden genau diese Retter zu Vernichtern. Die großen Töne der Öffentlichkeitsarbeiter im BHÄV sind beim Thema Rückzahlungen verstummt! Die großspurigen Aussagen zum Erfolg des BHÄV vom Vorsitzenden Dieter Geis ebenso! Ob sich ein schlechtes Gewissen beim Vorstand Jakob Berger regt, ist genauso ungewiss, wie die Frage nach dem sozialen Gewissen des Vorstandes Markus Beier gegenüber seinen Kollegen! Die Rückzahlungsaktion hat durch seine Ursachen mehr als nur ein Gschmäckle. Die betroffenen Ärzten bei uns im Bürgerschulterschluss konnten sich durch unserem Vereinsjuristen bereits zum Thema Schadensersatz schlau machen!
Die Abschlagszahlungen waren auf einen zu hohen Fallwert (jeder Patient ist ein Fall und hat seinen Wert) berechnet, der nun zu Rückzahlungen führt. Steuerberater von Ärzten erklärten, dass die Differenz zwischen den Abschlagzahlungen und dem realen Fallwert bis zu mehr als 20 Euro pro Patient gehen. Die Frage, wer hat da wen, weshalb betrogen, steht im Raum !
Mein Ordner Beschwerden füllt sich seit Wochen zum Thema fehlende Abrechnungen, Schreiben an den BHÄV und die HÄVG und deren Antworten. Nun sehen immer mehr betroffene Ärzte an ihren Kontoauszügen: Da stimmt was nicht! Jetzt hoffe ich, dass vielen Ärzten endlich klar wird, dass sie einmal mehr verdummt wurden und wir als Patienten mit!! Es gibt Täter und Mitwisser in diesem Vorgang, die meiner Meinung nach zur Rechenschaft gezogen werden müssen!
Nachdem scheinbar Honorarzahlungen bei vielen Ärzten leider gewisse Denkmechanismen blockieren, müssen sich Patienten Gedanken machen um was es in diesem Pokerspiel der Hausarztverträge geht: Um uns Patienten nicht, um die gesicherte wohnortnahe Versorgung auch nicht. So wie es sich entwickelt geht es auch nicht um die Ärzte und ihre Existenzsicherheit! Denn im Moment ist völlig offen, wie viele Praxen die ausbleibenden Abschlagszahlungen betriebswirtschaftlich überstehen. Dazu kommt der Schaden durch tatsächlich fehlende Honorare für die Behandlung von Patienten. Es wird in einigen Praxen im Jahr 2011 ein Schaden von bis zu 60 000 Euro erwartet. Fazit: So wurde der als Retter verkaufte Hausarztvertrag durch die Realität entzaubert und für einige Praxen kann er nun zum Vernichter werden. Mit unserem Aufruf
Achtung Hausarztvertrag waren wir unserer Zeit voraus!
Renate Hartwig